ARBEITSBEREICHE

Wie weit darf eine Reinigung das Erscheinungsbild eines Exponats verändern? Gibt es das universell einsetzbare Restaurierungsmaterial? Wie finde ich die optimale Methode und begegne den zu erwartenden Risiken? Oder tue ich lieber gar nichts und hoffe auf die Weiterentwicklung technischer Verfahrensschritte?

Ein Semester in der Werkstatt des Studiengangs “Objektrestaurierung” beginnt mit einer Ansammlung von Objekten, die restauriert werden wollen. In diesem Moment stehen viele Fragen im Raum und jedes einzelne Objekt veranschaulicht, wie komplex das Berufsbild des Restaurators ist. Eine Fülle von Kompetenzen ist notwendig, um die Schäden an Kunst- und Kulturgut erkennen und beurteilen zu können und dementsprechend Handlungsstrategien für ihren Erhalt zu entwickeln. Bei der Auswahl der zu restaurierenden Stücke für die Projektarbeit im Bachelorstudiengang hat sich ein Themenkanon zu verschiedenen kulturgeschichtlichen Objekten etabliert, der die Vielseitigkeit dieses Studiengangs widerspiegelt.

Die Objekte unterscheiden sich in ihrer Materialität, ihrer  Provenienz, ihrem Alter und ihrem Erhaltungszustand. Der Umgang mit Originalen hat einen großen Stellenwert im Studienplan, bieten sie doch die beste Möglichkeit, sehen zu lernen, Materialien zu erfahren, Veränderungen oder Schäden zu interpretieren und ein Gefühl für gealterte Oberflächen zu entwickeln. Vor Beginn jeder Maßnahme ist es wichtig, die Restaurierungsziele klar zu formulieren und eine Haltung zum Stück und dem geplanten Eingriff zu entwickeln. Es muss entschieden werden, welche Methoden sich am besten eignen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Welches Restaurierungsmaterial wird sowohl dem Erhaltungszustand des Objektes gerecht und erfüllt gleichermaßen die Ansprüche heutiger Restaurierungsstandards? Nicht selten erweisen sich Objekte während des Arbeitsprozesses als wesentlich empfindlicher als zunächst diagnostiziert und entpuppen sich als Bewährungsprobe hinsichtlich der Geduld und der manuellen Fähigkeiten.

Eine Seminarreihe zu Methoden und Techniken der Konservierung begleitet die Projektarbeit. Abgestimmt mit den Vorlesungen (Graphische Übersicht Studienplan BA) werden hier Kompetenzen erworben, um weitgehend eigenständig nach wissenschaftlichen und methodischen Grundsätzen arbeiten zu können. Ein wichtiges Element der Seminare sind exemplarisch durchgeführte Versuchsreihen. Materialien und Applikationsmethoden werden evaluiert, Bewährtes kann modifiziert und weiterentwickelt werden. Im Restaurierungsprojekt werden diese Methoden dann individuell auf ihre Anwendbarkeit überprüft und in die Praxis transferiert.

Besonders inspirierend und richtungsweisend sind die gemeinsamen restaurierungsethischen Diskussionen im direkten Bezug zu den Objekten. Hierbei fließen die unterschiedlichen Erfahrungen der Studierenden aus ihren Vorpraktika in Museen oder Denkmalämtern ein.

So wird die Vorgehensweise bei der Restaurierung eines archäologischen Objekts ganz anders bewertet als die Maßnahmen bei einem Objekt, das aus einer Kunst- und Wunderkammer stammt oder aus einem außereuropäischen Kontext hervorgeht.