Ethnologische Objekte

Objekte aus außereuropäischen Kulturen wurden bereits in den Wunderkammern des 17. Jahrhunderts gesammelt. Sie galten als Kuriositäten und es waren vornehmlich die materiellen Aspekte des Andersseins, die Fürsten und Herzöge faszinierten. Leitlinien und Ziele der ethnographischen Sammlungen haben sich in den vergangen 100 Jahren stetig gewandelt und es ist heute vielmehr die kulturelle und soziale Bedeutung der Objekte im ursprünglichen Kontext, die, soweit möglich, dokumentiert, respektiert und bewahrt werden soll.

tatnua-Maske, Neuirland, gefasstes Holz, Pflanzenfasern, Völkerkundemuseum Heidelberg, Inv. Nr. 42022, restauriert von Helena Fuertes y Koreska 2006

tatnua-Maske, Neuirland, gefasstes Holz, Pflanzenfasern, Völkerkundemuseum Heidelberg, Inv. Nr. 42022, restauriert von Helena Fuertes y Koreska 2006

Die Restaurierung von Ethnographika verlangt vor diesem Hintergrund eine große Sensibilität und ist immer mit dem Bewusstsein verbunden, dass wir als Europäer kaum Wissen über die kulturelle Bedeutung dieser Gegenstände haben. Vielen Exponaten, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Missionaren, Händlern oder anderen Reisenden nach Europa gebracht wurden, fehlen detaillierte Angaben zur Provenienz oder zum ursprünglichen Gebrauchszusammenhang. In anderen Fällen ist beispielsweise bekannt, dass Objekten eine rituelle Bedeutung zukam und gemäß der indigenen Tradition nach ihrem Gebrauch zerstört werden müssten. Daraus ergibt sich ein Widerspruch zu den Prinzipien des Konservierens und Restaurierens, denn hier steht die Bewahrung der Objekte im Mittelpunkt des Tuns.

Um die Objekte zu erhalten und alle Spuren der Nutzung zu dokumentieren, ist auch in diesem Arbeitsgebiet eine umfangreiche Materialkenntnis erforderlich. So sind Pflanzenfasern, -stängel und –blätter, Holz und Rinde, Muscheln, Farbstoffe und Pigmente, Harze oder Gummen ebenso anzutreffen wie tierische Häute, Därme, Haare und Zähne oder die verschiedensten anorganischen Materialien.

Sulka Tanzmaske, Neubritannien, Pflanzenmark, -fasern und –blätter, Völkerkundemuseum Heidelberg, Inv. Nr. Oz 000025, restauriert von Mareike Mehlis 2010

Sulka Tanzmaske, Neubritannien, Pflanzenmark, -fasern und –blätter, Völkerkundemuseum Heidelberg, Inv. Nr. Oz 000025, restauriert von Mareike Mehlis 2010

Generell gilt in der Restaurierung das Leitmotiv, durch möglichst minimale Eingriffe in die Originalsubstanz den Erhalt der Objekte zu gewährleisten. Bei der Behandlung von ethnologischen Objekten wird diesem Prinzip sehr konsequent Folge geleistet. Präventive Maßnahmen haben hier einen herausragenden Stellenwert.

Viele Schadensbilder an ethnologischen Objekten sind auf einen Schädlingsbefall zurückzuführen. Häufig fehlen ganze Objektbestandteile, mitunter wurden nur bestimmte Materialien, z.B. ein Federbesatz oder eine Applikation aus Wolle, befallen. Vor Beginn von Restaurierungsmaßnahmen muss überprüft werden, ob das Objekt mit Rückständen biozider Chemikalien kontaminiert ist. Alle Maßnahmen zur Minderung von persönlichen Gesundheitsrisiken müssen in diesem Fall beachtet werden (Arbeitskleidung, Handschuhe, gegf. Atemmaske oder Lüftungsvorrichtungen).