Keramik

Festigungsversuche während des Keramikseminar, Foto: S. Hoffmann

Festigungsversuche während des Keramikseminar, Foto: S. Hoffmann

Im ersten Semester steht die Keramikrestaurierung im Mittelpunkt der Praxis. Und die findet nicht wie sonst im BA-Studium in der Akademiewerkstatt, sondern in Stuttgarter Partnerwerkstätten statt. Nur montags und dienstags waren wir für die Vorlesungen zu Werkstoffkunde, Anorganischen Chemie, EDV und Wissenschaftlichem Arbeiten auf dem Campus. Den Rest der Woche verteilten wir uns auf die Restaurierungswerkstätten des Stuttgarter Linden-Museums, des Landesmuseums Württemberg bzw. des Landesamts für Denkmalpflege in Esslingen. Umso weniger wir uns in diesen Tagen sahen, desto mehr hatten wir uns zu Beginn der Woche zu erzählen, denn unterschiedlicher hätten unsere Arbeitsfelder kaum sein können. Von ethnologischen Objekten über Kunsthandwerk bis zu archäologischen Objekten war alles dabei, was sich dem Thema Keramik zuordnen ließ.

Objekt während der Entnahme, Planum 3 - man erkennt den fragmentierten Zustand und die umgebenden Wurzeln, Foto: S. Hoffmann

Objekt während der Entnahme, Planum 3 – man erkennt den fragmentierten Zustand und die umgebenden Wurzeln, Foto: S. Hoffmann

Aufbau für das Zeichnen der Plana, Foto: S. Hoffmann

Aufbau für das Zeichnen der Plana, Foto: S. Hoffmann

In Seminaren in der Werkstatt des Studiengangs konnten wir das Reinigen, Festigen, Kleben und Ergänzen von poröser Keramik an Probekörpern üben. Wir konnten verschiedene Materialien ausprobieren und deren Einsatz hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe, ihrer Langzeitstabilität und ihren möglichen Auswirkungen auf das Objekt kritisch reflektieren. Wie wichtig eine wohlüberlegte Auswahl von Materialien für die Restaurierung ist und welche weitreichenden Folgen sie haben kann, sahen wir schließlich in der Praxis im Museum. Dort galt es unter anderem, gealterte Klebungen an altrestaurierten Gefäßen zu lösen. Diese waren mit der Zeit vergilbt und spröde geworden und hatten die Bruchkanten der Keramik beschädigt. Auch ein Wachsüberzug auf einer graphitierten Schale, der mit den Jahren auskristallisiert war, bedurfte einer Behandlung. Unsere Überlegungen sprachen wir dabei stets mit den Restauratoren vor Ort ab, da die Ansprüche an die Restaurierung jeweils variierten, je nachdem, ob das Objekt anschließend in einer Ausstellung im Museum gezeigt werden oder z.B. noch wissenschaftlich ausgewertet werden sollte. Nachdem das Bearbeitungskonzept stand, führten wir die Maßnahmen systematisch durch, beispielsweise auch die Restaurierung einer im Gipsblock geborgenen Urne mit Leichenbrand.

Urne nach der Entnahme, Reinigung und dem Zusammenfügen, Foto: S. Hoffmann

Urne nach der Entnahme, Reinigung und dem Zusammenfügen, Foto: S. Hoffmann

Das heißt, die Urne wurde auf der Ausgrabung zusammen mit etwas umliegendem Erdreich abgestochen und mit Gipsbinden so „verpackt“, dass der Block in die Restaurierungswerkstatt transportiert werden konnte, ohne durch Stöße oder eine Änderung des Umgebungsklimas Schaden zu nehmen. In der Werkstatt konnte die Urne dann Schritt für Schritt aus dem Block entnommen werden. Hierbei kam es vor allem auf die genaue Dokumentation der einzelnen Plana, also Schichten, an, in denen die Urne freigelegt wurde an, diese wurden in sogenannten Planumszeichnungen und in Fotografien festgehalten. Verschiedene Materialien können im Boden vergehen, so dass sie zwar nicht mehr vorhanden sind, aber im Erdreich Spuren in Form von Verfärbungen oder Abdrücken, Hohlräumen etc. hinterlassen haben. Durch die Entnahme der Urne und ihres Inhalts aus dem Block wird diese im Block konservierte Fundsituation unwiederbringlich zerstört, daher ist die Dokumentation so besonders wichtig. Nachdem die Urne, die durch die jahrhundertelange Lagerung im Boden in eine Vielzahl von Einzelteilen zerbrochen war, aus dem Block entnommen war, wurden die Einzelteile gereinigt, wieder zusammengefügt und geklebt.

Rückblickend hat uns dieses erste Semester einen Einblick in einen Bereich der Objektrestaurierung gewährt, den wir bis dato im Vorpraktikum so nicht hatten.

Judith Berning und Ana Diaz