Kunsthandwerkliche Objekte

Auch wenn es hinsichtlich der Materialien viele Parallelen zur archäologischen Restaurierung gibt, unterscheiden sich die Ziele und die Herangehensweisen bei der kunsthandwerklichen Restaurierung sehr. Da viele Exponate zur Zeit ihres Gebrauchs einen repräsentativen Charakter besaßen, soll dieser auch heute in der Ausstellungsvitrine wieder zur Geltung gebracht werden. Es ist oft eine Gratwanderung, Objekte in ihrer materiellen Substanz möglichst wenig zu verändern, gewachsene Alterungsschichten zu erhalten und gleichzeitig Pracht und Glanz in angemessener Weise hervorzubringen. Die Anwendung traditioneller Handwerkstechniken – angelehnt an die ursprünglichen Techniken – wird heute kontrovers diskutiert oder auch vollkommen abgelehnt. Zum einen halten die Exponate diesen oft eher an Reparaturen erinnernden Eingriffen nicht mehr stand. Materialeigenschaften, wie z.B. die Duktilität von Metallen oder die hygroskopische Eigenschaft von Holz haben sich durch Gebrauch und Alterungsprozesse verändert, so dass diese tiefgreifenden Maßnahmen mitunter mehr schaden als nutzen. Zum anderen wird vom inzwischen geschulten und anspruchsvollen Betrachter eine wahrnehmbare Authentizität des historischen Objektes erwartet, die nicht durch derart massive Eingriffe gestört werden darf. Beispielsweise bei Silber ist eine unruhige Oberfläche mit leichter Anlaufschicht durchaus erwünscht, wohingegen eine glatt polierte und strahlend weiße Oberfläche an Ausdruck verliert.

Die Restaurierung vergoldeter Bronze- und Silberobjekte aus dem 18. und 19. Jahrhundert ist für die Stuttgarter Bachelorstudenten eine solche Gratwanderung. Ist es zum Beispiel notwendig, die Stücke für eine Reinigung vollständig zu demontieren? Oder was mache ich, wenn die Kuppa eines Pokals aus dem 19. Jahrhundert eingebeult ist? Ist es in diesem Fall vertretbar rückzuformen? Viel Diskussionsstoff gibt es auch beim Vergleich verschiedener Reinigungsverfahren für historisches Silber, bedeutet doch jedes Anlaufen und erneutes Reinigen Materialverlust.

Bei vielen kunsthandwerklichen Objekten handelt es sich um Materialkomposite. Häufig wurden organische und anorganische Materialien miteinander verbunden, die sehr unterschiedlich auf Umgebungsbedingungen wie die relative Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Schadstoffe reagieren. Durch hierbei entstehende Spannungen lösen sich oftmals Klebungen oder mechanische Verbindungen, sodass die Gefahr besteht, dass einzelne Objektbestandteile verloren gehen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Restauratoren unterschiedlicher Spezialisierungen hilft oftmals, Lösungen zu finden.

Tafelaufsatz, um 1800, vergoldete Bronze, Residenzschloss Ludwigsburg, Inv. Nr. KRG 874
Tafelaufsatz, um 1800, vergoldete Bronze, Residenzschloss Ludwigsburg, Inv. Nr. KRG 874, restauriert von Liane Albrecht 2009
Tafelaufsatz, Detailaufnahme, Korrosion, hervorgerufen durch Rückstande von Reinigungsmitteln
Tafelaufsatz, Detailaufnahme, Korrosion, hervorgerufen durch Rückstande von Reinigungsmitteln, Liane Albrecht 2009