Metallfunde mit org. Resten

Auf Spurensuche im Frühmittelalter – Die Restaurierung archäologischer Objekte

Wie lebten die Menschen in längst vergangenen Zeiten? Welche Sitten hatten sie und wie kleideten sie sich? Solchen Fragen kann in der Restaurierung archäologischer Objekte nachgegangen werden. Es ist noch längst nicht alles erforscht und durch die Bearbeitung eines solchen Objektes können neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Das im Block geborgene Gürtelgehänge

Abb. 1 Das im Block geborgene Gürtelgehänge. Links im Block während der Freilegung, rechts im gefestigten Nachzustand. © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

 

Computertomographie der Blockbergung.

Abb. 2 Computertomographie der Blockbergung. Hell leuchtend erscheinen die Metalle, aber auch Textilien und Leder werden damit sichtbar. © Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

 

Trageweise eines frühmittelalterlichen Gürtelgehänges.

Abb. 3 Trageweise eines frühmittelalterlichen Gürtelgehänges. ©MARTIN 1997, 352.[1]

Gefunden werden die archäologischen Objekte auf Ausgrabungen, deren Orte vor allem im Rahmen von Bauarbeiten entdeckt werden. Besonders fragile Funde werden vor Ort nicht bearbeitet, sondern in einem Block geborgen. Dabei werden sie samt sie umgebender Erde mit Gips ummantelt und somit unbewegt und sicher geborgen (Abb. 1 links). Eine Freilegung kann dann Schicht für Schicht unter dem Mikroskop in der Restaurierungswerkstatt erfolgen. Hierbei sind Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt, denn durch die jahrhundertelange Bodenlagerung haben sich die Materialien stark verändert und abgebaut. Oft haben sich organische Reste wie  Holz, Leder, Horn, Textilien etc. überhaupt nicht oder nur in Spuren erhalten, deren Deutung man lernen muss. Mit feinsten Werkzeugen wie Nadeln oder Pinzetten werden die Objektstrukturen von der aufliegenden Erde befreit und es kommen Gegenstände zum Vorschein, die seit Jahrhunderten verborgen waren.

Unterstützt wird die Freilegung der Funde durch Röntgenaufnahmen oder Computertomographien, mit denen bereits vorab Informationen über das Innere dieser Blockbergungen sichtbar werden (Abb. 2).

Ich habe frühmittelalterliche Funde bearbeitet (ca. 500 – 1050 AD), bei denen es sich um Bestandteile eines Gürtelgehänges handelt. Dieses besteht aus Eisenringen, die ursprünglich mit einem Lederband verbunden waren und einem kleinen Messer. Solche Gegenstände wurden von Frauen getragen, bei denen sie vom Gürtel herab hingen (Abb. 3). Durch die Konservierung und Restaurierung wurden die Funde stabilisiert und gefestigt, sodass sie von Archäologen weiterführend ausgewertet werden können.

Jenny Wölk

[1] MARTIN 1997: Max Martin, Kleider machen Leute – Tracht und Bewaffnung in fränkischer Zeit. In: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg (Hrsg.), Die Alamannen. Begleitband zur Ausstellung „Die Alamannen“. 14. Juni 1997 bis 14. September 1997, Stuttgart 1997, S. 349 – 358.