Pflanzliche Objekte

Restaurierung einer Palmblatt-„Schürze“

Ethnologische Objekte stellen häufig besondere Ansprüche an die Restaurierung und Konservierung. Einerseits bestehen sie häufig aus Materialien wie Pflanzenfasern und -blättern, Holz, tierischen Häuten, Haaren, Federn und verschiedensten anderen Materialien, die anfällig gegenüber Schädlingen und Schimmel oder gegenüber Schwankungen in der Luftfeuchtigkeit sind und deshalb hohe Anforderungen an die präventive Konservierung stellen.
Andererseits darf bei außereuropäischen Objekten auch die kulturelle und soziale Bedeutung der Objekte in ihrer Ursprungskultur nicht außer Acht gelassen werden. Sie muss auch während der Restaurierung respektiert werden, weshalb eine gründliche Recherche über die jeweilige Kultur und den Gebrauchs-Kontext des Objekts unerlässlich ist.

Leider sind viele ethnologische Objekte, die Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts in europäische Museen kamen nicht ausreichend dokumentiert, zum Beispiel fehlen Angaben zu Provenienz, Datierung oder zum Gebrauch der Objekte. Dies traf auch bei der sogenannten Palmblatt-„Schürze“  aus dem Linden-Museum zu.

Palmblatt-"Schürze"

(links) Vorzustand (Vorderseite), die Faltung der Palmblätter hat zu Rissen und Brüchen geführt
(rechts) Nachzustand (Vorderseite), Aufgefaltet, gereinigt und Risse geschlossen

Zu diesem Objekt waren nur wenige und uneindeutige Informationen verfügbar, weshalb zunächst die Herkunft und die Verwendung des Objekts recherchiert wurde. Es stellte sich heraus, dass die Palmblatt-„Schürze“ nicht, wie ursprünglich vermutet, von einer indonesischen Insel stammt, sondern vermutlich von den Salomonen. Die genaue Verwendung des Objektes ist jedoch immer noch nicht ganz klar. Es könnte sich um ein Kleidungsstück gehandelt haben, allerdings ist die Bezeichnung „Schürze“ sehr vereinfachend und entspricht wahrscheinlich nicht der ursprünglichen Trage- bzw. Nutzungsweise.

Die Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen, die letztendlich an der Palmblatt-Schürze durchgeführt wurden, dienten hauptsächlich zur Bestandserhaltung, und zur Vermeidung weiterer Schäden. Das Objekt wurde mittels erhöhter Luftfeuchtigkeit in einer Befeuchtungskammer und mit einem Aerosolgenerator flexibilisiert und Schritt für Schritt aufgefaltet, da die zusammengeklappte Lagerung zu starken Schäden am Palmblatt in den Falten geführt hatte. Anschließend konnten Staub und ein leichter Schimmelbefall durch Absaugen vom Objekt entfernt werden. Dabei war Fingerspitzengefühl gefordert, um die leicht pulvrigen, empfindlichen schwarzen und roten Farbschichten auf den eingeflochtenen Bändern nicht zu beschädigen. Zuletzt wurden die Risse und Brüche im Palmblatt mit Japanpapier und Methylcellulose gesichert, damit diese nicht weiter aufreißen konnten.

Rebekka Kuiter

Das Objekt während der Behandlung in der Befeuchtungskammer.

Das Objekt während der Behandlung in der Befeuchtungskammer.

Detail des Flechtmusters, nach der Reinigung (Endzustand)

Detail des Flechtmusters, nach der Reinigung (Endzustand)