Wachsobjekte

Kolumbianische Wachsfigur

Kolumbianische Wachsfigur, Sicherung des von Insekten Befallenen Textils mit einer Rundnadel und Haspelseide an ein eingefärbtes Seidengewebe

Wie gewohnt wählten wir Studierende zu Beginn des Semesters ein Objekt gemeinsam mit der Werkstattleiterin aus. Dabei konnten in Rücksprache mit den Kommilitonen die Vorkenntnisse sowie die eigenen Interessen oder besondere Problemstellungen die Objektwahl beeinflussen. Da Wachs aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften wie einem niedrigen Schmelzpunkt oder der geringe Härte besondere Anforderungen an die Bearbeitung erfordert, standen neben dem praktischen Arbeiten am Objekt Seminare zur Reinigung, Klebung, Ergänzung oder der geeigneten Lagerung auf dem Lehrplan. Jede/r von uns bearbeitete neben einem Objekten aus Wachs je eine mexikanische Genrefigur, die traditionelle Tracht oder Arbeitskleidung dieser Region trugen. Diese Genrefiguren aus Wachs wurden in Mexiko um 1900 an Touristen verkauft, um der Weltbevölkerung ein emanzipiertes und sich seiner Traditionen bewusstes Land zu zeigen. Die Herausforderung der Bearbeitung bestand neben der besonderen Herangehensweise an die Restaurierung des Werkstoffs Wachs in den vielfältig kombinierten Materialien, z.B. Textil. Zum einen waren die Gewebe dem Befall von Insekten zum Opfer gefallen, die Reste mussten gereinigt und gesichert werden. Exkremente der Insekten wurden entfernt, um unter anderem das Risiko eines erneuten Insektenbefalls zu mindern.

Vom Unterkörper getrennter und geklebter Oberkörper einer Genrefigur

Vom Unterkörper getrennter und geklebter Oberkörper einer Genrefigur mit eingesetzter Stabilisierung aus einem alterungsstabilen Schaumstoff.

Eine Sonderform der Wachsfiguren stellen die deutlich selteneren Figuren mit Textilhaut dar. Auf den wächsernen Hohlkörper wurde Textil geschmolzen, um den Figuren ein noch realistischeres Aussehen zu verleihen. Auf Grund der Materialeigenschaften von Wachs sind Brüche ein häufiges Schadensbild. Unter der Textilhaut waren zahlreiche Brüche zu dokumentieren. Besonders schwierig war es an diese Stellen zu gelangen, ohne die Textilien zu beschädigen, das Wachs zu kleben und die textile Trägerschicht wieder anzubringen. Es wurden Wege gesucht, wie mit diesen Problemen umgegangen werden sollte. Meist war dieser jedoch ein anderer, als man sich das zu Beginn des Konzeptes vorgestellt hatte.

Begleitet wurde der praktische Teil von der Werkstoffkunde Vorlesung über organische und anorganische Bindemittel. So ging das Sammeln von praktischen Erfahrungen Hand in Hand mit dem Kenntnisgewinn der theoretischen Grundlagen einher. Da die einzelnen Bereiche von unterschiedlichen Dozenten, Professoren und der Werkstattleiterin geführt wurden, konnte ein breites Feld rund um den Werkstoff Wachs abgedeckt werden. Wie in jedem Semester bemerkt man jedoch erst am Ende des Semesters beim Schreiben der Semesterarbeit wie viel man über den kurzen Zeitraum gelernt hat.

Sarah Reyer und Lena Hönig