Was ist Objektrestaurierung

Was wären wir ohne die Dinge! Keine Frage: Wir brauchen all die Gegenstände, die uns vom Wirken des Menschen erzählen, von seinem Alltag, seinem Denken und Fühlen, seiner schöpferischen Kraft. Ohne ihre Erhaltung verlören wir unser kulturelles Gedächtnis, könnten nicht begreifen, wo wir herkommen, wer wir sind. Dabei gibt es keine Grenzen in Material, Zeit und Raum. Neolithische Geflechte aus dem Bodensee, attische rotfigurige Keramik, römische Glasflaschen, mittelalterliche Silberschreine, Meißner Porzellan, Darmhaut-Parkas der Inuit, Corten-Stahlskulpturen und PVC-Werbeaufkleber der 80er Jahre: all das – und Vieles mehr – hat uns schon im Studiengang beschäftigt. Selbst der überaus lange, offizielle Name „Konservierung und Restaurierung von archäologischen, ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten“ bildet dies nicht ganz vollständig ab. Deswegen haben wir uns dazu durchgerungen, dann wenn Kürze geboten ist, dem angelsächsischen Objects‘ Conservation folgend, auch einfach von „Objektrestaurierung“ zu sprechen. Das soll aber nicht heißen, dass wir, weil alles Materielle Objekt sein kann, auch alles machen. Für Vieles gibt es ja andere Spezialisten, seien es nun Möbel, Bücher, Kleider oder Gemälde. Trotzdem müssen wir uns auch bei einer gefassten Holzmaske mit Textilapplikationen und einem sammlungshistorisch wichtigen Papieraufkleber zu helfen wissen. Die besondere Stärke von Objektrestauratoren ist es, sich mit Sammlungsgütern aus Materialkombinationen ganzheitlich befassen zu können.

Auch wenn der Studiengang den Anspruch hat, die ganze Breite der Materialien und Objektursprünge abzudecken, hat er, geprägt durch seine Lehrkräfte, natürlich auch besondere Schwerpunkte: dies sind Metallobjekte jeglicher Herkunft und Bodenfunde allgemein.

Vom Diplom zum BA/MA: die Entwicklung des Studiengangs

Bis man Restaurator ist, dauert es seine Zeit. Der Studiengang startete im Wintersemester 1988/89 der Stuttgarter Tradition folgend mit einem fast dreijährigen Vorpraktikum und einem vierjährigen Diplomstudium. Sieben Jahre bis zum Diplom nach den (damals) 13 Schuljahren bis zur allgemeinen Hochschulreife, das war eine weltrekordverdächtige Anforderung. Zur Qualität der Stuttgarter Restauratorenausbildung hat sie sicher erheblich beigetragen. Sie ließ genügend Zeit zur akademisch-theoretischen Vermittlung des Wissens und zur praktischen Umsetzung am Objekt. Gerade auf Letzterem liegt in Stuttgart ein deutlicher Schwerpunkt. Der Ruf, nicht nur zu wissen, was zu tun ist, sondern es auch wirklich tun zu können, war entscheidend für die ersten Stuttgarter Absolventen, sich in Konkurrenz zu anderen Ausbildungsgängen auf einem kleinen Arbeitsmarkt behaupten zu können. An diesem Anspruch, theoretische und praktische Kompetenz zu verbinden und zugleich akademisch-universitäres Studium und Berufsausbildung zu sein, hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn 2001 das Vorpraktikum auf zwei Jahre verkürzt wurde. Um schon früher als erst nach 2 Jahren mit der Theorie zu beginnen und gleichzeitig das Stuttgarter Studium international besser einordnen zu können, wurde zum WS 2004/5 das zweite Vorpraktikumsjahr in ein Einführungsstudienjahr umgewandelt und damit auf ein fünfjähriges Diplom umgestellt. Da der Raum an der Akademie nicht mit der Studiendauer wachsen konnte, werden die praktischen Projekte im ersten Semester (Schwerpunkt Keramik) in den Restaurierungswerkstätten der archäologischen Denkmalpflege, des Landesmuseums und des Lindenmuseums absolviert. Dies setzt die von Anbeginn fruchtbare Zusammenarbeit fort, die Werkstattleiterinnen fungieren gleichzeitig als Lehrbeauftragte an der Akademie. Der Kontakt der Studierenden mit der realen, sich stetig verändernden Berufspraxis in der Objektrestaurierung ist so gesichert. Auch viele andere Lehrbeauftragte bringen ihr Spezialwissen ein und helfen uns so, das weite Feld der Objektrestaurierung kompetent abzudecken.

Als Folge des neuen Landeshochschulgesetzes Baden-Württemberg musste das bewährte Diplomstudium ab WS 2009/2010 in ein konsekutives Bachelor- und Master-Studium umgewandelt werden. Statt einer Vordiplom-Zwischenprüfung nach drei Jahren gibt es nun einen Bachelor-Abschluss. Dieser berechtigt automatisch zum Übergang in das zweijährige Masterstudium. In Übereinstimmung mit nationalen und internationalen Berufsverbänden der Restauratoren sind wir Stuttgarter der Auffassung, dass ein BA-Abschluss noch nicht zu einer eigenständigen, selbstverantwortlichen Restaurierungstätigkeit befähigt. Daher ermutigen wir unsere Bachelorabsolventen, ihre Ausbildung mit dem Masterstudium fortzusetzen. Nur solche Bewerber werden ins BA-Studium aufgenommen, denen auch das Zeug zu einem erfolgreichen Masterabschluss zuzutrauen ist.